Münstermaifelds Kanonikerstift und der Stiftsbezirk

Entstehung des Kanonikerstifts
Bereits im 6. Jhdt. gab es in Münstermaifeld eine Urpfarrei mit einer Priestergemeinschaft von Martinsbrüdern, die das Umland christianisierten sowie Bildung und Kultur in die Gegend brachten. Im 10. Jhdt. entstand ein Kanonikerstift (Chorherrenstift), das rasch reich und mächtig wurde. Der bekannteste der vorstehenden Pröpste war Nikolaus von Cues, der mittelalterliche Gelehrte und Theologe, dessen „De docta Ignorantia“ noch heute für die Sozialwissenschaften relevant ist.  Erzbischof Ruotbert brachte 952 die Reliquien des hl. Severus aus Rom mit. Seitdem ist Severus der zweite Kirchenpatron.

Schlechte Zeiten
Zwischen 1626 und 1652 ließen die Pröpste, die auch die Hochgerichtsbarkeit besaßen, eine Serie grauenvoller Hexenprozesse veranstalten. Beim Einfall der französischen Revolutionstruppen 1793 flohen die Stiftsherren. 1802 wurde das Stift vom napoleonischen Staat aufgelöst und sein gesamter Besitz versteigert. 1810 brach man den Kreuzgang an der Nordseite der Stiftskirche ab.

Der Stiftsbezirk
Die Stiftsherren wohnten seit etwa 1100 in Privathäusern im Stiftsbezirk rund um die Kirche. Bis zur großen Brandschatzung durch die Franzosen gab es 26 Kanonikerhäuser, die anschließend in bürgerlichen Besitz übergingen. Viele der Stiftsherrenhäuser, die heute bei einem Spaziergang durch die Stiftsstraße, die Hammgasse und die Herrenstraße sowie rund um den Münsterplatz zu sehen sind, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Besonders hervorzuheben ist das sogenannte Zweierkerhaus in der Stiftsstraße 26/28 mit seinem gotischen Stufengiebel und dem Renaissance-Fachwerkerker. In der ehemaligen Propstei, dem Sitz der Pröpste, befinden sich heute die Tourist-Information Maifeld, das Archäologische Museum und das Heimat- und Erlebnismuseum.